In meiner Praxis begegnet mir das Thema Sexualität oft und viele Paare stehen hier sehr unter Druck. Es ist ein ‚heißes Eisen‘, und man weiß nicht, wie man es ansprechen soll. Entfremdung, Resignation, aber auch Verunsicherung und viel Frustration haben sich angestaut.
Kinder können ein Grund dafür sein, dass man nicht mehr oder nur noch sehr selten mit einander schläft. Frauen erleben Schwangerschaft, Stillen und hormonelle Umstellungen oft durch eine veränderte Einstellung zu ihrem eigenem Körper, dem Empfinden der eigenen Attraktivität und Sinnlichkeit. Vielen Paaren ist nicht bewusst, dass ein positives Gefühl zur eigenen Sexualität enorm wichtig ist. Man sollte nicht für den Partner, die Partnerin begehrenswert sein…
Seitdem wir die Kinder haben, hat sie gar keine Lust mehr auf Sex,
das frustriert mich total.
Auch mögen sexuelle Bedürfnisse und Fantasien, die man sich selbst und der Beziehung nicht eingestehen mag, als Bremse wirken. Der Partner, die Partnerin merkt, dass der Sex nicht mehr richtig befriedigend ist. Manchmal ‚lief der Sex früher einfach ganz von alleine‘ und man wundert sich im Nachhinein, warum dies so war.
Es ist wichtig, sich ehrlich darüber auszutauschen, was einem fehlt und was man sich wünscht. Hierbei besteht oft das schamhafte Gefühl, sich ‚zuzumuten‘ und den Partner zu überfordern oder zu verletzen. Dies kann tatsächlich in manchen Fällen auch passieren, aber oft ist der Effekt eher Erleichterung, dass man wieder miteinander spricht.
Ich merke, dass er gar nicht darüber reden will,
aber so kommen wir ja nicht weiter, wir brauchen Hilfe von Außen.
Um Sexualität in der Beziehung so zu erleben, dass es für beide befriedigend ist, muss Intimität und Nähe hergestellt werden, was im Alltag oft als überfordernd erlebt wird. Hier kommen dann kleine Rituale ins Spiele. Das Paar sollte sich regelmässig Zeit für einander nehmen, um sich nicht nur kommunikativ und emotional, sondern auch sinnlich näher kommen zu können. Diese ‚Hausaufgaben‘ fühlen sich in der ersten Zeit manchmal etwas peinlich, forciert und künstlich an, eine Pflichtaufgabe, die man zu vermeiden versucht. Trotzdem ist es wichtig, es immer weiter zu versuchen, Geduld lohnt sich.
Eine schwächer werdende Libido und Potenz, sowie hormonelle Umstellungen durch die Menopause können ebenfalls erschwerende Faktoren darstellen. Zusammen oder – nach Bedarf – auch in Einzelsitzungen versuche ich mit Ihnen gemeinsam Lösungen zu finden.
Es klappt mit der Erektion nicht mehr so richtig,
dann schäme ich mich und bekomme Versagensängste.


